Jahresrückblick 2020

Ein bewegtes Jahr neigt sich dem Ende zu. Zeit für einen Jahresrückblick 2020. Für viele war dieses Jahr sehr herausfordernd und bei einigen nagte diese besondere Zeit am wirtschaftlichen Fundament. Die Welt scheint auf dem Kopf zu stehen und das Leben war und ist teilweise ziemlich unberechenbar. Hier sind Robustheit und Anpassungsfähigkeit gefragt. Doch das ist oft leichter gesagt als getan.
Saturn und Pluto zeigten uns die Grenzen der Macht auf. Vieles entzieht sich unserer Kontrolle und das Leben verliert an Planbarkeit. Wir bemerken dies an vielen Dingen, die Coronakrise aber ist das Leitsymptom. Sie zeigt uns, dass es so wie bisher nicht weitergeht.

Ein Systembruch ist im Gange,

der uns zum Umdenken zwingt. Dadurch werden viele Fragen aufgeworfen. Ist etwa Massentierhaltung wirklich alternativlos? Denn gerade durch sie kommt es – abgesehen vom Tierleid – zur Bildung antibiotikaresistenter Keime und miserabler Arbeitsbedingungen in der fleischverarbeitenden Industrie.
Corona hat viele Mißstände aufgedeckt, so wußte ich bis vor kurzem nicht, daß es zahlreiche Nerzfarmen in Europa gibt oder wie prekär die Einkommenssituation vieler Menschen ist. Ist Profit wirklich die oberste Direktive an der sich alles orientieren muß oder gibt es Alternativen zu einem System, das auf immerwährendes Wachstum ausgerichtet ist?
Jupiter und Saturn haben im Dezember 2020 ein neues Zeitalter eingeläutet. Ein Zeitalter, in dem Daten, Wissen und Vernetzung den Ton angeben werden. Doch was ist Wissen überhaupt und was kann man überhaupt Wissen?

Wissen neu gedacht

Jahresrückblick 2020Grob gesprochen gibt es drei Arten von Wissen. Das erlernte oder akademische Wissen, Wissen durch praktische Erfahrung in der Vergangenheit und Wissen, das sich aus der experimentellen Anpassung an unerwartete und neue Situationen ergibt. Letzteres ist antifragil, sprich, es wird in der Folge von äußeren Einflüssen stärker oder besser. Beispielsweise hat jemand, der sich auf eine Methode oder Aufgabe spezialisier hat, einen Marktvorteil. Doch wenn eine neue Technologie neue Methoden erfordert oder die Arbeit ersetzt, schaut es plötzlich düster aus. Ebenso kann eine neue Gesetzgebung, eine Krankheit oder ein Abbruch der Nachfrage diesen Vorteil zunichte machen. Antifragilität ist im kommenden Zeitalter der Schlüssel zum Erfolg. Es ist also besser, sich zu fragen, was man aus einer Situation für die persönliche Zukunft lernen kann, als mit seinem Schicksal zu hadern.

Das Gute an 2020

Durch die vielen Beschränkungen wurden wir auf uns selbst zurück geworfen und hatten genug Zeit um zu reflektieren, was wirklich wichtig ist im Leben; auch ob man auf dem richtigen Weg ist oder ob man ohnehin gerne woandershin abgebogen wäre. Aber es war schwer, die Sicherheit der Komfortzone zu verlassen. Wir entdeckten auch, wer wahre Freunde sind und welche Menschen uns wirklich etwas bedeuten und für wen wir wichtig sind. Zudem stellte sich heraus, was wir wirklich brauchen und was wir kontrollieren können und was nicht. Vielfach war die Erfahrung der Verlangsamung auch eine schöne und viele Dinge, ohne die man meinte nicht leben zu können, stellten sich als überflüssig heraus.

Manche haben vielleicht neue Talente entdeckt oder vernachlässigte Begabungen gepflegt, indem sie vielleicht wieder zu musizieren, zu schreiben oder zu zeichnen begonnen haben. So war nicht alles schlecht an 2020 und wenn man diese Gedanken zulässt und dem Fluss des Lebens vertraut, kann man sanft ins kommende Jahr hinübergleiten.

28.12.2020